Was tun bei Fehlwürfen im Grüngut?

0      24.11.2021

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Analog anderen Politiken soll die Herausforderung «Fehlwürfe» ganzheitlich angegangen werden, damit eine möglichst grosse Wirkung erzielt werden kann. Eine Wirkung im Sinne von tieferen Kosten durch weniger Sortieraufwand, besserer Rezyklat-Qualität und auch kein Einbringen von Fehlwürfen wie Plastik in die Umwelt.

Umfragen von SR (Recyclingkongress 2018) und FHNW (Gesamtschweizerische Erhebung 2017) ergaben, dass vor allem die Fraktionen Grüngut und Kunststoffe von Fehlwürfen betroffen sind.

Die Online-Umfrage von SR wurde von 90 Experten beantwortet. Davon bewerteten knapp 60% Fehlwürfe als^grosse Herausforderung, 40% als mittelgrosse Herausforderung. Bei der gesamtschweizerischen Erhebung 2017 der FHNW wurde Kunststoff im Grüngut als die weitaus grösste Quelle von Fremdstoffen genannt. Diese Zahlen decken sich mit den Resultaten aus Kompost-Analysen.

Psychologie der Fehlwürfe allgemein

Ein Fehlwurf lässt sich dabei definieren als eine Entsorgungsentscheidung, die zu falschen Wertstoffen in der Wertstoffsammlung führt. Fehlwürfe können Wertstoffe sein, welche eigentlich rezykliert werden können, aber im Kehricht enden. Es können aber auch Wertstoffe sein, welche in der falschen Fraktion entsorgt werden. Anne Herrmann, Wirtschaftspsychologin an der Fachhochschule Nordwestschweiz, beschreibt drei Arten von Fehlwürfen:

Bewusste Fehlwürfe
Es wird aus Bequemlichkeit bewusst für das Falsche entschieden, z.B. Batterien sind klein und leicht und werden daher gerne mal kurz im Kehricht anstatt fachgerecht entsorgt. Um bewusste Fehlwürfe zu verhindern, können die Motivation erhöht und die Kontextfaktoren wie z.B. Kosten, soziale Normen oder Gesetze adressiert werden. Wissensvermittlung zum Nutzen des Recyclings macht klar, warum Wertstoffe separat entsorgt werden sollen. Um den Aufwand zu verringern, könnten Entsorgungsstrukturen entsprechend angepasst werden.

Intelligente Fehlwürfe
Fehlendes Wissen führt zu einer falschen Entscheidung, z.B. stark verschmutzte Pizzaschachteln dürfen nicht in die Kartonsammlung, da Fett den Recyclingprozess stört. Sie sollen im Kehricht entsorgt werden. Intelligente Fehlwürfe geschehen meist durch fehlendes Wissen und können durch spezifische Wissensvermittlung reduziert werden.

Versehentliche Fehlwürfe
Fehlende Zeit oder fehlendes Nachdenken führt versehentlich zu einer falschen Entscheidung, z.B. wird eine Putzmittelflasche aus Plastik in der PET-Getränkeflaschensammlung entsorgt anstatt in die Plastikflaschensammlung gegeben. Gründe dafür können fehlende persönliche Ressourcen wie Wissen, Zeit oder auch Gewohnheiten sein. Um dies zu verhindern, können die Aufmerksamkeit gelenkt und Kontextfaktoren adressiert werden.

Wie können Fehlwürfe verhindert werden?

Ob in der Schweiz oder im Ausland - überall gibt es das Problem von Fehlwürfen. Die Plattform www.stop-plastic.ch hat am Recycling-Kongress 2021 Lösungsansätze präsentiert. Hier eine kurze Zusammenfassung:

  • Die Verwertungsanlage bestimmt zulässige / verbotene Abfälle
  • Kommunikation / Information der Bevölkerung
  • Anonyme Wohnsituationen erfordern Intervention:
    - Erfolgreiche Bearbeitung der Hotspots
    - Erfolgsmessung
    - Einbezug der Gemeinde mit ausgelagertem Sammeldienst
    - Überregionale Kommunikations-Kampagne mit ortsspezifischer Differenzierung

Bei einem Pilotprojekt melden Sammeldienste Hotspots mit viel Fremdstoffen. Als Massnahmen schreiben Gemeinden an Hausverwaltungen “Zu viele Fremdstoffe, Massnahmen zwingend!”. Dazu gab es Empfehlungen:

  1. Container mit Schloss, Schlüssel nur an Mieter mit Verpflichtung zur Sauberkeit.
  2. Container mit Schloss, nur noch für Hauswarte.
  3. Grüngutcontainer wird aufgehoben.
  4. Sanktion: Sammeldienst dokumentiert zuhanden der Gemeinden. Ohne Verbesserung wird das Grüngut nur noch als Kehricht entsorgt.

Fazit

Fehlwürfe verteuern die Separatsammlung und vermindern die Rezyklat-Qualität. Ausserdem führt Plastik im Grüngut zu einer zusätzlichen Umweltverschmutzung. Entsprechend wichtig sind Massnahmen dagegen. Diese Massnahmen sollen ganzheitlich sein und z.B. die Art der Sammlung (Prävention), die Kommunikation mit den Bürgern (Sensibilisierung), die konsequente Überprüfung des Sammelguts (Kontrolle) sowie auch Mahnungen und Bussen (Sanktion) einbeziehen. Mit einem solchen Vorgehen lassen sich Fehlwürfe auf ein verträgliches Niveau reduzieren.

Übergeordnete Empfehlung: Sinnvoll wäre eine schweizweite Harmonisierung der Sammelfraktion mit entsprechend klaren Botschaften in der Kommunikation.

Weiterführende Infos zu diesem Thema: 

Faktenblatt: Fehlwürfe im Grüngut